Yamswurzel & Diosgenin – was sagt die Forschung?

Die Yamswurzel (Dioscorea) ist weit mehr als eine traditionelle Nutz- und Heilpflanze. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sie auch die wissenschaftliche Forschung.
Besonders im Fokus steht dabei Diosgenin – ein natürlich vorkommender Pflanzenstoff aus der Gruppe der Steroidsaponine. Diosgenin kommt in verschiedenen Dioscorea-Arten vor und wird aufgrund seiner besonderen chemischen Struktur und seiner vielfältigen biologischen Eigenschaften intensiv untersucht.
Die Forschung reicht von Untersuchungen einzelner Pflanzenstoffe über Zell- und Tiermodelle bis hin zu klinischen Studien mit Menschen.
Wir haben einige besonders interessante wissenschaftliche Arbeiten zusammengestellt.
Forschungsbereiche:
Was kann die Forschung über Dioscorea villosa sagen?
Eine der bekanntesten klinischen Untersuchungen zu Wild Yam stammt von Komesaroff und Kollegen und wurde 2001 veröffentlicht.
Untersucht wurden 23 gesunde Frauen mit Beschwerden während der Menopause. Die Frauen verwendeten im Rahmen einer doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie eine Creme mit Wild-Yam-Extrakt oder ein entsprechendes Placebo.
Die Behandlung dauerte jeweils drei Monate.
Untersucht wurden unter anderem:
- typische Beschwerden der Menopause
- Hormonwerte
- Blutfettwerte
- weitere körperliche Parameter
Die Studie ist insbesondere deshalb interessant, weil hier Wild Yam (Dioscorea villosa) in Form einer Creme untersucht wurde.
Die Autoren beschäftigten sich dabei auch mit der Frage, welche Rolle die in Wild Yam enthaltenen Steroidsaponine – insbesondere Diosgenin – spielen könnten.
Studie: Komesaroff PA et al. (2001)
Pflanze: Dioscorea villosa
Teilnehmerinnen: 23 Frauen
Studiendesign: doppelblind, placebokontrolliert, Cross-over
Interessante Ergebnisse zur Hautforschung
Diosgenin wird nicht nur im Zusammenhang mit Yamswurzel und weiblicher Gesundheit untersucht. Ein weiterer Forschungsbereich ist die Haut.
In einer Studie untersuchten Wissenschaftler die Wirkung von Diosgenin auf menschliche Hautzellen sowie auf ein dreidimensionales menschliches Hautmodell.
Dabei zeigte sich unter den untersuchten Bedingungen eine erhöhte DNA-Synthese in den Hautzellen. Auch in einem 3D-Hautmodell konnte eine entsprechende biologische Aktivität beobachtet werden.
Zusätzlich wurde Diosgenin in einem Tiermodell untersucht. Bei ovariektomierten Mäusen – einem Modell, das unter anderem zur Erforschung von Veränderungen der Haut im Zusammenhang mit einem Östrogenmangel eingesetzt wird – wurde eine Verbesserung der epidermalen Dicke beobachtet.
Besonders interessant: Die Wissenschaftler untersuchten auch die Frage, ob die beobachteten Effekte über klassische Östrogenrezeptoren vermittelt werden. Die Ergebnisse deuteten stattdessen auf eine Beteiligung des cAMP-Signalwegshin.
Das macht die Studie interessant
Die Untersuchung zeigt, dass Diosgenin auf zellulärer Ebene biologische Prozesse in Hautzellen beeinflussen kann und liefert damit interessante Ansatzpunkte für die weitere Hautforschung.
Studie: „Novel effects of diosgenin on skin aging“
Veröffentlichung: 2009
Untersucht wurden: menschliche Keratinozyten, 3D-Hautmodell und Tiermodell
Forschung zu knochenbildenden Zellen
Auch der Einfluss von Diosgenin auf den Knochenstoffwechsel ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
In experimentellen Studien wurde untersucht, wie Diosgenin auf Osteoblasten wirkt. Osteoblasten sind Zellen, die eine wichtige Rolle bei der Bildung und Erneuerung von Knochengewebe spielen.
Dabei wurden unter anderem verschiedene Marker untersucht, die mit der Differenzierung und Aktivität von Osteoblasten verbunden sind.
Zu den untersuchten Parametern gehören beispielsweise:
- Kollagen Typ I
- alkalische Phosphatase
- Runx2
- Osteopontin
- Mineralisierung
Die Forschung liefert damit Hinweise darauf, dass Diosgenin verschiedene Prozesse beeinflussen kann, die für die Aktivität knochenbildender Zellen relevant sind.
Wichtig: Bei diesen Untersuchungen handelt es sich überwiegend um experimentelle Forschung. Sie zeigen interessante biologische Effekte, lassen aber nicht automatisch auf eine Wirkung beim Menschen schließen.
Ein weiterer großer Forschungsbereich
Diosgenin wird außerdem intensiv im Zusammenhang mit verschiedenen Stoffwechselprozessen untersucht.
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit fasst Forschungsergebnisse zu Diosgenin und Fettstoffwechsel-Erkrankungen zusammen.
Dabei werden unter anderem Untersuchungen zu folgenden Bereichen betrachtet:
- Fettstoffwechsel
- Cholesterinstoffwechsel
- Übergewicht
- Fettleber
- Diabetes
- oxidativer Stress
Die bisherige Forschung deutet auf vielfältige biologische Mechanismen hin, über die Diosgenin in experimentellen Modellen Einfluss auf Stoffwechselprozesse nehmen kann.
Die Autoren betonen dabei insbesondere die Vielzahl unterschiedlicher Signalwege, die in der bisherigen Forschung untersucht wurden.
Studie: „Therapeutic potential and research progress of diosgenin for lipid metabolism diseases“
Was zeigen experimentelle Untersuchungen?
Entzündungsbezogene Signalwege gehören ebenfalls zu den intensiv untersuchten Forschungsgebieten rund um Diosgenin.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 fasst zahlreiche Untersuchungen zu Diosgenin und seinen Derivaten zusammen.
Dabei werden unter anderem biologische Eigenschaften im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen, oxidativem Stress und verschiedenen zellulären Signalwegen beschrieben.
Besonders interessant ist dabei, dass Diosgenin offenbar auf mehrere unterschiedliche molekulare Signalwege einwirken kann.
Das macht den Pflanzenstoff zu einem wichtigen Forschungsgegenstand der modernen Naturstoffforschung.
Eine Untersuchung mit der Wilden Yamswurzel
Nicht nur isoliertes Diosgenin, sondern auch Extrakte aus Dioscorea villosa wurden wissenschaftlich untersucht.
In einer experimentellen Studie wurde ein trockener Extrakt aus Dioscorea villosa untersucht.
Die Wissenschaftler analysierten zunächst die Inhaltsstoffe des Extrakts. Dabei wurde Diosgenin als wesentlicher Bestandteil identifiziert.
Anschließend wurde der Extrakt in verschiedenen Tiermodellen untersucht.
Dabei zeigten bestimmte Dosierungen des Extrakts Effekte in Modellen für Schmerzen und entzündungsbezogene Prozesse. Zusätzlich wurden Untersuchungen zur akuten und längerfristigen Verträglichkeit durchgeführt.
Bei den untersuchten Dosierungen zeigten sich in den toxikologischen Untersuchungen keine auffälligen Veränderungen, die auf eine akute oder subchronische Toxizität hingedeutet hätten.
Die Studie im Überblick
Pflanze: Dioscorea villosa
Untersuchung: Pflanzenextrakt
Forschungsmodelle: Tiermodelle
Analysierter Inhaltsstoff: Diosgenin
Untersuchte Bereiche: Schmerz, entzündungsbezogene Prozesse und Verträglichkeit
Ein weiterer Forschungsbereich
Auch im Bereich der Neurowissenschaften wird Diosgenin untersucht.
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit fasst die bisherige Forschung zu Diosgenin und verschiedenen neurologischen Erkrankungen zusammen.
Dabei werden unter anderem mögliche Zusammenhänge mit verschiedenen Signalwegen im zentralen Nervensystem untersucht.
Die Autoren beschreiben eine Vielzahl experimenteller Untersuchungen und betonen das breite Spektrum biologischer Aktivitäten von Diosgenin.
Die Forschung befindet sich in diesem Bereich allerdings überwiegend noch auf präklinischer Ebene.
Studie: „Therapeutic Potential of Diosgenin and Its Major Derivatives against Neurological Diseases: Recent Advances“
Von der Yamswurzel in die pharmazeutische Forschung
Diosgenin besitzt eine besondere chemische Struktur, die es seit Jahrzehnten für die pharmazeutische Forschung interessant macht.
Der Pflanzenstoff wird unter anderem aus verschiedenen Dioscorea-Arten gewonnen und kann als Ausgangsstoff für die industrielle Synthese verschiedener Steroidverbindungen dienen.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte Steroidhormone und andere pharmazeutisch relevante Verbindungen.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 beschreibt die Chemie, Herkunft und biologischen Eigenschaften von Diosgenin und gibt einen Überblick über die vielfältige Forschung zu diesem Pflanzenstoff.
Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Die industrielle Herstellung von Steroidverbindungen aus Diosgenin erfolgt durch chemische beziehungsweise biotechnologische Prozesse. Das bedeutet nicht, dass Diosgenin im menschlichen Körper direkt in diese Hormone umgewandelt wird.
Eine klinische Pilotstudie aus 2025
Besonders interessant ist eine aktuelle klinische Pilotstudie, die 2025 veröffentlicht wurde.
Untersucht wurden 24 Frauen im Alter von 22 bis 34 Jahren mit PCOS-Phänotyp D.
Die Teilnehmerinnen erhielten über sechs Monate täglich eine Kombination aus:
- 600 mg Dioscorea villosa
- 120 mg Diosgenin
- 100 mg α-Lactalbumin
- 50 µg Vitamin D
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus.
Zu Beginn der Studie hatte keine der Teilnehmerinnen einen regelmäßigen Zyklus. Nach sechs Monaten wurde bei 50 % der Teilnehmerinnen ein regelmäßiger Menstruationszyklus festgestellt.
Darüber hinaus wurden Veränderungen bei verschiedenen hormonellen und metabolischen Parametern beobachtet, unter anderem bei LH, FSH, dem LH/FSH-Verhältnis, Insulin und dem HOMA-Index.
Warum ist diese Studie interessant?
Sie gehört zu den neueren klinischen Untersuchungen, in denen Dioscorea villosa und Diosgenin gemeinsam mit weiteren Nährstoffen im Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus untersucht wurden.
Dabei wurde allerdings eine Kombination verschiedener Substanzen eingesetzt. Die Ergebnisse können deshalb nicht ausschließlich Dioscorea villosa oder Diosgenin zugeschrieben werden.
Studie: 2025
Teilnehmerinnen: 24
Dauer: 6 Monate
Forschungsbereich: Menstruationszyklus und hormonelle/metabolische Parameter
Die Forschung geht weiter
Die Yamswurzel und insbesondere Diosgenin sind heute Gegenstand einer großen Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen.
Dabei ist die Forschung sehr vielfältig: Sie reicht von der Untersuchung einzelner Moleküle und ihrer chemischen Eigenschaften über Zell- und Tiermodelle bis hin zu ersten klinischen Untersuchungen am Menschen.
Gerade diese Kombination aus jahrhundertealter Pflanzenkunde und moderner Naturstoffforschung macht die Yamswurzel zu einer besonders faszinierenden Pflanze.
Wir möchten mit diesem Studienverzeichnis einen Einblick in diese Forschung geben und Ihnen die Möglichkeit bieten, die Originalstudien selbst nachzulesen.